Kurze Geschichte der Evangelischen in Todtmoos

1897 fand erstmalig ein evangelischer Gottesdienst im katholischen Wallfahrtsort Todtmoos statt. Der evangelische Pfarrer aus Gersbach hatte die Protestanten mitzubetreuen. Man sprach von der „Diasporagenossenschaft Todtmoos“. Evangelische Christen kamen erst seit dem Bestehen des Sanatoriums Wehrawald 1901 vermehrt ins Dorf.

Quelle: Jürgen Bendig
Die evangelische Gemeinde war stark an diese Wehrawaldklinik gebunden, hier fanden auch meist die Gottesdienste in einem notdürftig hergerichteten Raum statt, gelegentlich musste man aber auch in das Nebenzimmer eines Gasthauses ausweichen.

1920 nahm als erster evangelischer Pfarrer Wilhelm Altenstein als ortsansässiger Seelsorger seinen Dienst in Todtmoos auf. Seine Aufgabe war es, die sehr verstreut lebenden Evangelischen zu sammeln und zu betreuen, Unterricht zu halten und einzelne Gemeindeveranstaltungen anzubieten. Pfarrer Altenstein stand jetzt in Todtmoos einem „Diasporapfarramt“ vor. Zur Diasporagemeinde Todtmoos gehörte die politische Gemeinde Todtmoos wie auch die südöstlichen Nachbarorte des „hinteren Hotzenwaldes“, nämlich Engelschwand, Segeten, Strittmatt, Großherrischwand, Kleinherrischwand, Herrischried, Hogschür, Niergebisbach, Obergebisbach mit Hornberg, Rütte und Wehrhalden. Für den Pfarrer ohne Motorisierung waren die Entfernungen eine große Erschwernis in seinem Dienst. Er beschreibt das so: Die Wege wurden zu Fuß zurückgelegt, „im Rucksack Talar, Kirchenbuch, Choralbuch und Wäsche zum Wechseln“.

 1929 fand eine erste Visitation durch die Kirchenleitung statt, auf der die Forderung nach Bau eines Pfarr- und Gemeindehauses vorgetragen sowie der Wunsch nach Selbständigkeit der Gemeinde geäußert wurde. Immerhin zählte die Gemeinde mit den Klinikdauergästen 450 Glieder. Bald nach der Visitation erhob die Kirchenleitung am 1. April 1930 die Pfarrei Todtmoos zur rechtlich selbstständigen Kirchengemeinde. Schon drei Jahre später war der Bau des Pfarr- und Gemeindehauses im Schwarzwaldstil vollendet (1933).

Quelle: Seufert
Alter Betsaal im Pfarrhaus,
jetzt Gemeindesaal
Nach Kriegsende 1945 war das Pfarrhaus Verteilstelle für Spenden des evangelischen Hilfswerkes und erste Anlaufstelle für die vielen Vertriebenen und Flüchtlinge evangelischer Konfession. Es gelang nur mühsam diese Gemeindegruppe einzugliedern, da unter ihnen die Fluktuation groß war. Viele zogen bald weiter, um bessere Wohn- und Arbeitsbedingungen zu finden. Trotzdem wuchs die kleine Gemeinde und der Gottesdienstraum wurde bald zu klein. So kam es 1955 zur Grundsteinlegung und 1956 zur Einweihung der eigenen Kirche.

Im Jahr 1957 zählte die Kirchengemeinde Todtmoos 350 Evangelische, darunter waren 60 Bedienstete der Kurkliniken und 120 Evangelische, die nur vorübergehend in Todtmoos arbeiteten. Hinzu kamen 120 Kinder in den verschiedenen Kinderheimen.

Als sich 1966 die selbständige Kirchengemeinde Görwihl bildete, gab die ev. Kirchengemeinde Todtmoos die Orte des „hinteren Hotzenwaldes“ ab, die Görwihl zugeschlagen wurden. Seither ist die evangelische Kirchengemeinde Todtmoos räumlich mit der politischen Gemeinde Todtmoos deckungsgleich. Das hatte für die Gemeindearbeit weitere Folgen, denn von den 433 Evangelischen zog die Hälfte jährlich zu oder weg. Schwerpunkt des Pfarrdienstes blieb die Seelsorge an den Patienten der Kurkliniken und Sanatorien.

Eine weitere Umstellung musste die Kirchengemeinde verkraften. Nach Neubildung des Landkreises Waldshut entschied sich die Kirchengemeinde Todtmoos 1975 für die Eingliederung in den neu geschaffenen Kirchenbezirk Hochrhein. Man wollte die Einheitlichkeit von kommunaler und kirchlicher Struktur. Damit gingen allerdings die traditionellen Bindungen zu Gersbach und zum Schopfheimer Kirchenbezirk verloren.

Nach Beendigung der Behandlung Tuberkulose-Kranker Anfang der achtziger Jahre in der Klinik Wehrawald bestimmen die kürzer verweilenden Kur- und Rehapatienten (3-4 Wochen) sowie Feriengäste die Gemeinde, was eine völlig veränderte Situation für das Seelsorgeangebot mit sich bringt.

Landeskirchliche Sparmaßnahmen zogen 1998 eine Strukturreform des Kirchenbezirkes nach sich. Ergebnis war zunächst ein Gemeindeverbund zwischen den Kirchengemeinden Todtmoos, St. Blasien und Höchenschwand/Häusern. Seit 2003 nur noch zwischen den Gemeinden in Todtmoos und Höchenschwand-Häusern.

Für Todtmoos heißt das: die Kirchengemeinde Todtmoos besteht eigenständig weiter. Der Pfarrer von Höchenschwand übernimmt die wesentlichen Aufgaben eines Pfarrers in Todtmoos. Gleichzeitig wurde der Gemeinde Todtmoos Gemeindediakon Bendig mit Wohnsitz im Pfarrhaus zugewiesen. Er ist mit 50% für die Kirchengemeinde Todtmoos zuständig, wobei er sich besonders in der Arbeit mit Gruppen und Kreisen einsetzt. Zugleich ist er Kurseelsorger mit Schwerpunkt in Todtmoos.

Heute zählt die Kirchengemeinde etwa 500 Glieder. Davon sind 350 mit Hauptwohnsitz ansässig und 150 mit Nebenwohnsitz gemeldet.

 Karl-Hellmuth Jahnke, Jürgen Bendig

 

Pfarrer der Gemeinde

Wilhelm Altenstein

1920-1936

Helmut v. Schenck

1937-1950

Martin Held

1951-1952

Kurt Wiegering

1952-1962

Dr. Rudolf Mack

1962-1967

Hansjörg Ehrke

1967-1975

Claus v. Criegern

1975-1982

Wilhelm v. Ascheraden

1983-1991

Werner Häffner

1992-1998

Andreas Maier

1998-2000

Felix Groß

1998-2004

Jürgen Bendig, Gemeindediakon

seit 1999

Markus Wagenbach

seit 2005